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KATZ mit neuer Strategie

Aufgrund des Wandels in der Kunststoffindustrie, stark rückläufiger Zuschüsse und Einbussen bei den Kurseinnahmen richtet sich das Kunststoff Ausbildungs- und Technologie-Zentrum (KATZ) neu aus. An der ausserordentlichen Mitgliederversammlung vom 14. November 2025 brachten die Verantwortlichen eine zukunftsgerichtete, auf die Transformationen der Branche ausgerichtete Strategie zur Abstimmung. Die anwesenden Mitglieder stellen sich geschlossen dahinter.
Vorstand und Geschäftsleitung präsentieren die Neuausrichtung des KATZ. (Bilder: Raphael Hegglin)

Aufgrund des Wandels in der Kunststoffindustrie, stark rückläufiger Zuschüsse und Einbussen bei den Kurseinnahmen richtet sich das Kunststoff Ausbildungs- und Technologie-Zentrum (KATZ) neu aus. An der ausserordentlichen Mitgliederversammlung vom 14. November 2025 brachten die Verantwortlichen eine zukunftsgerichtete, auf die Transformationen der Branche ausgerichtete Strategie zur Abstimmung. Die anwesenden Mitglieder stellen sich geschlossen dahinter.

Raphael Hegglin

Das KATZ erwartet im Jahr 2025 einen Ertragsrückgang von rund 17 %. Eine belastende Situation für die Geschäftsleitung wie auch den Vorstand – und etwas, mit dem sie nicht rechnen mussten: Mitte 2024 sah noch alles danach aus, dass die in den Jahren zuvor umgesetzte Neuorganisation erfolgreich und das KATZ wieder auf Kurs ist.

Umso überraschender kam die Kündigung der Leistungsvereinbarung durch die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW Ende 2024. Deren Engagement wurde bereits in den Jahren davor schrittweise reduziert: 2019 gab die FHNW nach 27 Jahren die Geschäftsführung des KATZ ab, der Umfang der Zusammenarbeit ging darauf sukzessive zurück. Nun steht die FHNW selbst unter Kostendruck und verlegt ihre Technikumsaktivitäten in näher gelegene, zugemietete Hallen. Der ursprüngliche Verpflichtungskredit des Kanton Aargau zugunsten des KATZ wurde bereits vor mehreren Jahren an die FHNW übertragen.

Dennoch besteht beidseitig Interesse an einer neuen Form der Kooperation. Gemeinsam mit der Hochschulleitung wurden Lösungen erarbeitet, um die neuen Lernfabriken des KATZ für attraktive Studienangebote der FHNW zu nutzen. «Wir hoffen, die neue Zusammenarbeit schon bald fix vereinbaren zu können, um mit einer soliden Planungsbasis ins neue Jahr starten zu können», erklärte Carsten Diekmann, Präsident des KATZ, an der ausserordentlichen Mitgliederversammlung vom 14. November 2025. Die Gespräche liefen weiter und es zeichne sich eine Einigung ab.

Sparen an der Weiterbildung

Ein weiterer Grund für den Umsatzrückgang sind die tiefen Kurseinnahmen: Laut Geschäftsführer Rémy Stoll spürt auch das KATZ die herausfordernde Lage der Industrie. «Neben Investitionsgütern ist es oft die Weiterbildung, an welcher Betriebe in schwierigen Zeiten am schnellsten sparen», sagt er.

Hinzu kommt, dass das KATZ von der Trägerschaft der Kunststoffberufe deutlich weniger überbetriebliche Kurse (üK) zugeteilt erhielt, als geplant. Hintergrund dieser Entwicklung sind Veränderungen in der Verteilung bzw. Zuteilung der ausbildenden Betriebe auf die beiden Ausbildungsstandorte.

Zukunftsorientiert und agil

Rémy Stoll, Geschäftsführer des KATZ, präsentiert die Lernfabrik „Kreislaufwirtschaft“ mit all ihren Stufen.

Gleichzeitig ist die Aus- und Weiterbildung für die technologiegetriebene Kunststoffindustrie essenziell. «Die Arbeit der Kunststofftechnologinnen und -technologen wird interdisziplinärer und erfordert neue Fachkompetenzen», sagte Rémy Stoll. Geschäftsleitung und Vorstand sind überzeugt: Das KATZ wird auch künftig ein unverzichtbares Ausbildungs- und Technologiezentrum sein.

Die neue Strategie setzt deshalb konsequent auf «Future Skills» (siehe auch Beitrag in KunststoffXtra 11-12/2025, S. 10-12) und macht das KATZ gleichzeitig agiler. Ein wesentlicher Bestandteil ist ein Sanierungsplan mit Massnahmen, die sowohl Kosteneinsparungen als auch neue Einnahmequellen ermöglichen.

Mitglieder stellen sich hinter KATZ

Ein zentrales Element der Strategie sind die Lernfabriken. Sie ermöglichen komplexes und interdisziplinäres Arbeiten und vermitteln Handlungskompetenzen ganzheitlich – im Gegensatz zu bisherigen Bildungsformaten. Auszubildende und Weiterbildungsteilnehmende erwerben so umfassende Fähigkeiten zu ganzen Systemen oder Themenfeldern.

Bereits implementiert ist die «smarte Lernfabrik», die einen vollständigen Produktionsprozess abbildet und damit lückenloses Training ermöglicht. Drei weitere Lernfabriken zu den Themen «Kreislaufwirtschaft», «Arbeitssicherheit» sowie «moderne Produktion und Innovation» sind in Vorbereitung.

Die Stimmberechtigten stellten sich an der ausserordentlichen Mitgliederversammlung deutlich hinter den vorgeschlagenen Sanierungsplan und die neue Strategie. Die dazu erforderliche Erhöhung der Mitgliederbeiträge um 25 % und die Statutenänderung (siehe Infobox) nahmen sie ebenfalls klar an und sprachen damit ihr Vertrauen gegenüber der Geschäftsleitung und dem Vorstand aus. Das KATZ sei als Kompetenzzentrum für die Kunststoffindustrie essenziell und müsse erhalten bleiben, lautete der Tenor.

Die wichtigsten Statutenänderungen

  • Die Sonderstellung des Kantons Aargau wurde aufgehoben. Grund: Der Kanton hat den Verpflichtungskredit bereits 2006 mit der Gründung der FHNW an diese übertragen.
  • Die Gemeinnützigkeit wird in die Statuten aufgenommen. Das öffnet den Weg für eine breitere Zusammenarbeit mit Förderorganisationen.
  • Die zunehmende überregionale Zusammenarbeit wird durch Aufnahme des Begriffs «internationale Kontakte» berücksichtigt.
  • Die Förderung des Nachwuchses und die Zusammenarbeit im Bereich der Kreislaufwirtschaft ist neu Bestandteil der Zweckbestimmungen.

Kontakt

KATZ
Kunststoff Ausbildungs- und Technologie-Zentrum
Schachenallee 29c
CH-5000 Aarau
www.katz.ch

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