Die Umsätze der Kunststoff verarbeitenden Industrie in Deutschland gingen im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr nochmals um 1,8 Prozent zurück. Der Branchenverband GKV rief Bundesregierung und Europäische Kommission zu tiefgreifenden Wirtschaftsreformen und Bürokratieabbau auf.
Der Umsatz der Kunststoff verarbeitenden Industrie ging 2025 gegenüber dem Vorjahr nochmals um ca. 1,8 Prozent auf 68,2 Milliarden Euro zurück. Der Rückgang resultierte überwiegend aus den rückläufigen Umsätzen der Unternehmen im Inland. Die Umsätze der Branchenunternehmen im Ausland verringerten sich im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent.
Die Zahl der Beschäftigten in den Betrieben der Kunststoffverarbeitung reduzierte sich gegenüber dem Vorjahr nochmals um etwa 5600 Beschäftigte auf circa 307.000. „Der Abschwung setzte sich damit im dritten Jahr in Folge fort. Der Niedergang der Industrie in Deutschland nimmt besorgniserregende Ausmasse an und Massnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähig der Industrie sollten allerhöchste Priorität bei den politischen Entscheidern besitzen“, mahnte die Präsidentin des Gesamtverbandes Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV), Dr. Helen Fürst, im Rahmen der Jahres-Wirtschaftspressekonferenz des Verbandes am Aschermittwoch in Frankfurt am Main. Sie forderte insbesondere einen tiefgreifenden Bürokratieabbau in Deutschland und der Europäischen Union und Sozialstaatsreformen zur Dämpfung der Lohnnebenkosten.
Des Weiteren kritisierte die Familienunternehmerin mangelhafte Arbeitsmoral und die fehlende Wirtschaftskompetenz in der Politik. „Misstrauen, Klassenkampfrhetorik, Neiddebatten und Empörungskultur schaden der gelebten Sozialpartnerschaft und stehen damit auch der versprochenen Wirtschaftswende im Weg“, sagte Fürst in ihrer Rede in Frankfurt am Main. Die Verbandspräsidentin rief zu mehr Arbeit auf: „‘Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt!‘ muss die unmissverständliche Botschaft dieses Jahres sein!“, appellierte Fürst.
Einschätzung der wirtschaftlichen Lage
Im Januar dieses Jahres hat der GKV die Mitgliedsunternehmen der Trägerverbände des GKV (AVK, EPPA, FSK, iK und pro K) zu ihrer Einschätzung der Konjunktur- und Wirtschaftslage befragt. Die wichtigsten Ergebnisse der Unternehmensbefragung stellte Dr. Oliver Möllenstädt, Hauptgeschäftsführer des GKV, vor.
Die Umsätze der befragten Unternehmen im Jahr 2025 bestätigen den in den amtlich erhobenen Daten ausgewiesenen Umsatzrückgang. Für 2026 erwartet die Hälfte der befragten Unternehmen ein Umsatzplus. Erfüllten sich die Erwartungen, könnte die Kunststoff verarbeitende Industrie in Deutschland erstmals seit 2022 ein Umsatzplus erreichen. Die Betriebsergebnisse der Kunststoffverarbeiter zeigten 2025 ein durchwachsenes Bild. Bezüglich der Ergebniserwartungen im Jahr 2026 überwiegt die Zuversicht.
Vom Außenhandel gingen 2025 keine nennenswerten Impulse für die Kunststoff verarbeitende Industrie aus. Da Warenlieferungen in das EU-Ausland einen weitaus überwiegenden Teil der Exporte der Kunststoff verarbeitenden Industrie ausmachen, betreffen Ankündigungen hoher Einfuhrzölle in die USA die meisten Betriebe der Kunststoff verarbeitenden Industrie lediglich mittelbar oder gar nicht. Demgegenüber nimmt der Außenhandel mit Rohstoffen zu. Im Durchschnitt bezogen die von uns befragten Unternehmen 29 Prozent des verarbeiteten Virgin Materials und 21 Prozent der verarbeiteten Rezyklate aus Ländern außerhalb der Europäischen Union. Das ist die Folge von Preisunterschieden und – in Bezug auf die Rezyklate – von Verfügbarkeiten bestimmter Kunststoffe und Kunststoffqualitäten. Die Abhängigkeit der Rohstoffversorgung der Kunststoff verarbeitenden Industrie in Europa dürfte infolge der Verlagerung vieler Investitionen der Chemieindustrie in den nächsten Jahren weiter zunehmen.
Anziehen der Investitionen wird erwartet
Die Investitionstätigkeit der Kunststoff verarbeitenden Unternehmen verzeichnete 2025 ein ausgeglichenes Bild. Eine gewisse Aufhellung der Investitionstätigkeit wird für 2026 erwartet, wohl auch infolge der etwas zuversichtlicheren Umsatz- und Ergebniserwartungen. Demgegenüber ist wie in den vorangegangenen Jahren auch 2026 mit einem weiteren Personalabbau in den Unternehmen unseres Wirtschaftszweigs zu rechnen. Der seit Jahren vorhandene Mangel insbesondere an technischen Fachkräften und Auszubildenden geht trotz dieser Entwicklung in der Einschätzung der Unternehmen nur leicht zurück.
Die Verfügbarkeit von Rohstoffen bewerten die Unternehmen für 2025 weitaus überwiegend gut bis befriedigend. Auch für das Jahr 2026 wird mit einer unverändert guten Verfügbarkeit gerechnet, was angesichts der geringen Auslastung der Produktionskapazitäten kaum überrascht. Mit gewissen Einschränkungen in Bezug auf bestimmte hochwertige Qualitäten gilt das grundsätzlich auch für die Versorgung mit Rezyklaten. Der Trend zum Einsatz von Kunststoffrezyklat setzt sich grundsätzlich weiter fort.
Auch 2026 wird mit nochmals wachsendem Einsatz von Kunststoffrezyklat gegenüber dem Vorjahr gerechnet. Kunststoffverarbeiter beziehen Rezyklate sowohl von mittelständischen Kunststoffrecycling-betrieben, spezialisierter Unternehmen der Entsorgungswirtschaft oder stellen es in rückwärts-integrierten Unternehmen selbst her. Gleichwohl führt die Preisentwicklung des Virgin Materials dazu, dass seitens der Kundenindustrien weniger Kunststoffprodukte aus Rezyklat bestellt werden, als technisch machbar wäre. Demgegenüber ist beim Thema Klimabilanzierung und Klimaneutralität eine gewisse Zurückhaltung zu verzeichnen, was seine Ursache in der Ankündigung der Absenkung von Berichtspflichten nach der CSRD und in der insgesamt ungünstigen Wirtschaftslage haben kann.
Weiterhin gelingt es vielen Unternehmen – immerhin 34 Prozent der Befragten – lediglich unzureichend, gestiegene Kosten beispielsweise aufgrund höherer Löhne an Kunden weiterzugeben. Sollte sich dieser Trend 2026 weiter fortsetzen, so ziehen neben einem weiteren Personalabbau vermehrt Unternehmen auch eine Verlagerung der Produktion ins Ausland in Betracht. Besonders deutlich wirkt sich 2025 die Entwicklung der Lohnkosten auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen unseres Industriezweigs aus, gefolgt von den Bürokratiekosten und den Umweltauflagen. Die Energiekosten spielten hierbei erstmals seit mehreren Jahren keine hervorgehobene Rolle. Befragt nach der Zufriedenheit mit der Arbeit der neuen Bundesregierung aus CDU, CSU und SPD zeigt sich die weitaus überwiegende Mehrheit der befragten Unternehmen weniger zufrieden oder nicht zufrieden.
„Wir haben über die Unternehmen erstmals auch zur Nutzung von Künstlicher Intelligenz befragt. Ein nicht unerheblicher Teil der Unternehmen setzt Künstliche Intelligenz ein. Bisher dominiert der Einsatz im Marketing und Vertrieb. In Bezug auf die KI-Technologien überwiegt die Nutzung für Übersetzungen, Bild/Audio/Video-Bearbeitung und Generativer KI gegenüber dem Einsatz bei der Prozessautomatisierung“, beschloss Oliver Möllenstädt die Ausführungen zu den Umfrage-Ergebnissen.
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