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Recycling von Polyurethan

(25.06.2020) Polyurethan (PUR) ist ein vielseitig einsetzbarer Werkstoff. Allerdings fehlt bisher eine praktikable Möglichkeit, PUR am Ende seiner Lebensdauer wiederaufzubereiten. Ein neu entwickeltes Verfahren soll dies nun ändern.


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Ein neues Verfahren soll helfen, künftig PUR wieder in den Produktionskreislauf zurückzuführen. (Bild: Tinby, Noah Buscher)



PUR ist Bestandteil vieler Gegenstände des täglichen Lebens und spielt eine wichtige Rolle bei der Energieeinsparung und der Gewinnung elektrischer Energie aus erneuerbaren Energiequellen. Allerdings werden Bestandteile aus Polyurethan am Ende ihrer Lebensdauer gegenwärtig grösstenteils auf der Mülldeponie oder in Verbrennungsanlagen entsorgt. Eine praktikable Möglichkeit, die Grundelemente des Kunststoffs zurückzugewinnen und für die Neuproduktion nutzbar zu machen, gibt es bislang nicht. Der dänische Polyurethan-Hersteller Tinby will das mit seinen Partnern jetzt ändern. Gemeinsam mit Wissenschaftlern und weiteren führenden Unternehmen der Polyurethan-Industrie hat hat der PUR-Produzent ein Projekt ins Leben gerufen, das eine komplett neue Kreislaufwirtschaft für diese Kunststoffe ermöglichen soll. Mit RePURpose möchten die Hersteller dafür sorgen, dass der Hightech-Werkstoff von heute nicht der Plastikmüll von morgen wird.


Polyurethan ist extrem leicht und dennoch sehr strapazierfähig, lässt sich äusserst gut verarbeiten und besitzt beachtliche isolierende Eigenschaften. Mit PUR lassen sich z.B. Häuser besser dämmen, leichtere Fahrzeuge, die weniger Treibstoff verbrauchen, und leistungsstärkere Windkraftturbinen bauen. PUR hat allerdings einen Nachteil: Er lässt sich nur schwer recyceln. Abfallprodukte aus Polyurethan und Verschnitte, die bei der Produktherstellung entstehen, landen grösstenteils auf Mülldeponien und in Verbrennungsanlagen. Das ist nicht nur angesichts wachsender Plastikmüllberge und der fortschreitenden Klimaerwärmung ein Problem. Dadurch gehen auch wertvolle Substanzen verloren, denn PUR besteht teilweise aus nicht erneuerbaren Rohstoffen, u. a. Erdöl. Derzeit bekannte Prozeduren zur Rückgewinnung der Grundstoffe sind sehr aufwändig und daher ineffizient.


Mit PUR aus Recycling-Kunststoffen die Neuproduktion reduzieren: Das RePURpose Projekt
Das Projekt RePURpose soll nun Abhilfe schaffen. Als Skandinaviens führender Anbieter hochspezialisierter Kunststoffe hat sich Tinby mit fünf weiteren dänischen Unternehmen sowie Experten aus Wissenschaft und Forschung zusammengetan, um ein Verfahren zu entwickeln, mit dem PUR-Abfälle recycelt und in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden können. Im Rahmen des Projekts entwickeln beteiligte Forscher zwei unterschiedliche Verfahren: Das erste konzentriert sich auf die Materialverluste bei der Produktion. Das zweite soll eine effiziente Möglichkeit bieten, PUR-Abfälle, die in der Industrie, aber auch beim Endverbraucher anfallen, in ihre Grundbausteine (Monomere) zu zerlegen. So wäre bei der Wiederverwendung grösstmögliche Flexibilität gewährleistet. Für das Projekt wurde durch „Innovation Fund Denmark“ ein Gesamtbudget von 2,5 Mio. Euro bereitgestellt.


Weniger CO2, weniger Plastikmüll, weniger Erdöl-Verbrauch
Das ist sowohl ökonomisch als auch ökologisch ein lohnenswertes Ziel. Denn wenn zukünftig mehr neue Produkte aus recyceltem Polyurethan hergestellt werden, würde weniger PUR mittels Müllverbrennung für die Energierückgewinnung zerstört werden, sodass weniger CO2-Emissionen entstünden. Und es würden weniger Kunststoff-Abfälle auf den ohnehin überfüllten Mülldeponien der Welt enden. Mit den entwickelten Methoden möchte Tinby gemeinsam mit seinen Mitstreitern zum weltweit führenden Anbieter im Bereich Polyurethan-Recycling werden.


www.tinby.de


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